22. Oktober 2013, 4 – 6 Uhr nachmittags, Emergency Room, Kinderstation des Krankenhauses Serabu in Sierra Leone:

Bisher war es ein ruhiger Tag im Aufnahmezimmer der Kinderstation. Dann aber werden innerhalb von zwei Stunden vier Kinder von ihren Eltern gebracht: Zuerst Gbomnu, fast fünf Jahre alt. Sie hat seit drei Tagen Fieber und Halsschmerzen. Eine Malariabehandlung wurde schon begonnen. Sie ist noch ansprechbar, aber trotz dunkler Haut „leichenblass“, ihr Herz rast. Der Laborant misst eine Hämoglobinkonzentration im Blut von 3,4 Gramm pro dl (Normalwert 13 – 15 g/dl), also eine schwere Anämie (Blutarmut). Dieser Wert ist auch für Sierra Leone extrem niedrig. Die sofortige Bluttransfusion vom Vater kann schon nach einer Stunde zu laufen beginnen.

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Lucy, knapp ein Jahr alt hatte kurz Durchfall und Fieber und ist seit Stunden bewusstlos. Ihr Hb-Wert ist fast normal, jedoch ihr Blutzuckerwert sehr tief. Ein Befund typisch für cerebrale Malaria (Malaria mit Hirnbefall), der schwersten Komplikation der Falciparum Malaria. Eine intensive medikamentöse Behandlung wird sofort begonnen.

Auch Moses ist kaum älter. Nach kurzem Fieber hat er seit heute Krämpfe und ist bewusstlos. Sein ebenfalls extrem niedriger Blutzuckerwert wird sofort mit einer Zuckergabe ausgeglichen und die bewährte medikamentöse Malariabehandlung begonnen.

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Ibrahim, vier Jahre alt, hat seit drei Tagen Fieber, ist seit heute bewusstlos und hat ebenfalls starke Krämpfe.
Seit Blutzuckerwert ist normal, der Befall mit Malariaparasiten im Blutausstrich aber massiv. Er ist reaktionslos, die ganz tiefe Atmung und das kaum senkbare Fieber sind höchst bedrohliche Symptome.

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Das Notfallteam bestehend aus einem deutschen Arzt, dem clinical officer Peter, den Schwestern und dem Laboranten arbeiten routiniert zusammen. Der Raum wird fast zu klein, denn jedes Kind wird von Eltern und Verwandten begleitet.

3 Tage später:
Gbomnu mit der extremen Anämie hat sich am raschesten erholt und wird bald nach Hause gehen.
Lucy ist nach 3 Tagen immer nur kurz wach, ißt aber wieder und dürfte über dem Berg sein.
Moses wir morgen nach Hause gehen, sein Onkel ist plötzlich verstorben und die Mutter muss heim. Auch er hat sich erstaunlich rasch erholt.
Ibrahim hat nicht überlebt. Die cerebrale Malaria war trotz intensivster medizinischer Behandlung nicht beherrschbar, das laute Wehklagen der Mutter war im ganzen Krankenhausgelände zu hören.
Die Anophelesmücke als Überträgerin der Malaria ist das gefährlichste Tier der Welt!

Das Krankenhaus Serabu tief im Busch von Sierra Leone/Westafrika wird seit zwei Jahren von den German Doctors finanziert und ärztlich geleitet.
Die Österreichischen Ärzte für die Dritte Welt sind Partnerorganisation in Österreich.
Derzeit sind dort zwei Kinderärzte, eine Gynäkologin, eine Chirurgin, ein Anästhesist und eine Allgemeinärztin aus Deutschland und Österreich im Einsatz.

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Aufgeschrieben von Dr. Christian Gross, Kinderarzt aus Salzburg