Ein Bericht von Dr. Alfred Schernthanner aus Österreich über seinen Einsatz in Dhaka, Bangladesch

Ich startete am 18.Juli 2013 von Österreich aus zu meinem ersten Einsatz für die German in die Hauptstadt von Bangladesch nach Dhaka. Auf der Fahrt vom Flughafen zu unserer Niederlassung in Manda fällt schon das irre Verkehrsgewühl auf. Tausende und Abertausende Rikschas auf den verstopften Straßen. Die extrem dünnen Rikschadriver sollen ja zu unseren Hauptkunden gehören… Ich werde sehr freundlich in Manda empfangen und falle vorerst todmüde ins Bett. Der nächste Tag ist ja ein Samstag und damit arbeitsfrei. Mit meiner Kollegin Mechthild erkunden wir die Innenstadt von Dhaka – natürlich mit einer Rikscha.DSCN0276

Am Sonntag ist der erste Arbeitstag. Es geht mit unserem Team mit dem Kleinbus in den Slum Kilgaon I. Die Ambulanz ist in einer Art Club untergebracht. Viele Patienten warten schon in einem Hof im Freien. Was mir als erstes auffällt ist, dass die Patienten sehr scheu sind und einem zuerst gar nicht anzuschauen getrauen. Aber nach einem „waleikum masalam“ als Begrüßung werden sie sehr nett. Es kommen viele extrem junge Mütter mit ihren Kleinkindern. Zum Teil haben sie mit 20 Jahren schon 3 bis 4 Kinder. Die Vierzigjährigen schauen zehn bis fünfzehn Jahre älter aus als gleichaltrige Mädchen bei uns in Österreich…

Viele Hautprobleme wie infizierte Wunden, Impetigo, Krätze. Das ist nicht so dramatisch, aber man muss schon sehr aufpassen, denn es kommen immer wieder junge Mütter mit unterernährten Kindern. Bei diesen unterernährten Kindern eine Pneumonie zu übersehen könnte fatal enden. Zwei von diesen Kindern wollte ich auf unsere Feedingstation (zum Gewichtzunehmen) schicken, aber sie müssen erst zu Hause den Mann um Erlaubnis fragen. Eine der Mütter kam 4 Tage später dann tatsächlich mit ihrem Baby zur Aufnahme auf die Feedingstation. Viele Leute wollen – glaube ich – einfach nur Medikamente. Da sollte man zurückhaltend sein, aber das ist bei uns in Österreich nicht anders, da kommen auch viele Leute mit Banalitäten. Hier betreibt man halt Medizin unter extremen Armutsbedingungen. Man muss völlig umdenken, die Untersuchungsbedingungen sind schwierig und Labor und Röntgen zu teuer und weit weg. Der Slum Gandaria ist schon schockierend. Die Leute wohnen entlang der Bahngleise, die Kinder spielen auf den Gleisen. Die Züge fahren zwar langsam mit einem Pfeifton durch, doch laut Shushitra soll es hier häufig Tote und Amputationen von Gliedmaßen geben.DSCN0288

Wir sind in Gandaria in einer Schule, die von den German Doctors  finanziert wird, untergebracht. Auch hier warten die Leute in einem Hof sehr geduldig bis sie aufgerufen werden. Ich mag diese Leute sehr gerne, sie sind sehr dankbar für unsere Hilfe. Durch dichtes Verkehrsgewühl von hauptsächlich Rikschas geht es nach Hause nach Manda, wo wir wohnen.