Auszüge aus dem Tagebuch der Einsatzärztin Barbara Haider aus Nairobi, Kenia

Tag 3

Mein erster Arbeitstag in Baraka.

Um 6 Uhr ist Aufstehen, nachdem ich wieder von 1.00-3.00 schlaflos und aufgeregt mein Skript gefressen habe, um wenigstens noch mal zu wissen, was wo genau steht. Wir gehen zusammen nach ausführlichem Frühstück um halb 8 los, den mir schon bekannten Abstieg in das Mathare Valley. Heute werden am Weg Bananen und Tee verkauft, jemand spannt Schnüre, um darauf die Kleider aus einer Altkleidersammlung zu präsentieren. Die Menschen gehen zur Arbeit, die Kinder in roten und blauen Schuluniformen in die verschiedenen Schulen. Süß! Warum finden wir immer die kleinen schwarzen Kinder so besonders süß? Sie sind so zutraulich und oft so geschmückt! Besonders die Mädchen mit ihren Frisuren, gedrellte kleine Zöpfchen überall, sicher eine ziepende Angelegenheit.

Ankunft im Health Center, gefüllte Wartebänke Montagmorgen, wie bei uns in der Praxis auch, am Wochenende sammelt sich alles Mögliche an.

Warteschlange Montag Morgen

Warteschlange Montag Morgen

Ich werde überall präsentiert, Lillian, Benjamin, Fetika, Norah, Josephat, John, Rose und und und –  kann ich mir kaum merken. Fetika ist meine Übersetzerin, sie gilt als die beste. Sie könnte die Sprechstunde vielleicht auch allein machen, kennt alle Laborabkürzungen, alle vorhandenen Medikamentendosierungen und so manche Krankheit. Sie kennt auch schon viele, viele German Docs und bildet sich sicher ihre Meinung auch über mich. Aber sie ist fröhlich, zugewandt und hat Lust, zu arbeiten.  Es entsteht ein Flow, macht richtig Spaß. Fetika hat neben 6 eigenen Kindern die 3 Kinder ihres verstorbenen Schwagers von der Straße zu sich geholt, sie gehen jetzt wieder zur Schule!

Übersetzerin

Übersetzerin

Es geht leichter, als ich dachte und ich habe richtig kranke Patienten. Pneumonie mit O2-Sättigung von 75%, das ist richtig schlecht. Hier wird die angeblich 90 – Jährige (wer weiß das schon?) nicht eingewiesen, sie bekommt Novalgin, O2, Antibiotikum und Flüssigkeit i.v.. Den Transport und den Aufenthalt ins Kenyatta Hospital würde sie vielleicht nicht überstehen, die Verhältnisse dort sollen teilweise unbeschreiblich sein. Am Nachmittag geht es ihr deutlich besser. Ob sie morgen noch lebt? Ich schicke viele zur HIV- Diagnostik, entweder als VCT (voluntary counselling ) oder als DCT (diagnostic counselling and therapy).Oft sind  Hauterscheinungen Anlass, zu uns zu kommen und dann wird getestet.

Am Nachmittag nach Sandwich- und Teepause wird es relativ anstrengend, meine Konzentration auf Englisch lässt nach und ich bin froh, als um 16.30 Uhr  alle Patienten durch sind und nur noch vor der Apotheke eine Schlange steht.

Meine immer aktive Kollegin Barbara hat Taxis bestellt, wir gehen um 7 ins Kino: Nairobi Halflife, ein u.a. vom Goetheinstitut geförderter Film über die Bandenkriminalität hier, wohl realistisch grausam das Überleben in der Megacity, Menschenleben zählen nichts.

Also aufpassen! Und jetzt schnell schlafen!